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- Die Weltbank hat seit dem Weltklimagipfel Projekte finanziert,
die zusammen Kohlenstoffemissionen in die Erdatmosphäre einbringen
werden, die mehr als dem Äquivalent ALLER derzeitigen jährlichen
Emissionen aus fossilen Brennstoffen WELTWEIT entsprechen.
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Seit der Unterzeichnung der Klimakonvention zur
Begrenzung der Treibhausgasemissionen durch die führenden
Vertreter fast aller Länder der Erde anläßlich
des Weltklimagipfels 1992 in Rio de Janeiro hat die Weltbankgruppe{1}
zur Finanzierung von Fossilbrennstoffprojekten beigetragen, die
insgesamt über ihre Laufzeit hin für einem Ausstoß
von Treibhausgasen verantwortlich sein werden, dessen Kohlendioxidäquivalent
sogar den aktuellen jährlichen Kohlendioxidausstoß
aus der Verbrennung fossiler Energieträger des gesamten Planeten
Erde übersteigt. Der vorliegende Bericht führt Kreditzusagen
der Weltbank im Umfang von US$ 9,4 Milliarden seit dem Finanzjahr
1993 auf, die nach unseren Schätzungen im Laufe der finanzierten
Projekte zu einer Emission von zusammen mindestens 9,5 Milliarden
Tonnen Kohlenstoff (entsprechend 35 Gigatonnen Kohlendioxid)
beitragen werden. Desweiteren untersuchen wir anstehende Finanzierungszusagen
im Wert von US$ 4,1 Milliarden für Projekte, die schätzungsweise
weitere 1,3 Gigatonnen Kohlenstoff (4,7 Gigatonnen CO2) emittieren
werden. Diese Schätzungen sind eher vorsichtig, und versuchen
gar nicht erst, die Auswirkungen wirklich aller Weltbank-finanzierter
Projekte zu berücksichtigen (wie z.B. von Krediten im Transportwesen
oder für Rußlands Kohlefelder); würden diese hinzugenommen,
würden sich diese Zahlen mindestens verzehnfachen.
Im Jahre 1995 wurden aus der Verbrennung fossiler Energieträger
-- dem wichtigsten Einzelbeitrag zur Klimaänderung -- insgesamt
schätzungsweise 6,24 Gigatonnen{2}
Kohlenstoff (28 Milliarden Tonnen CO2) emittiert.
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Obwohl sie eigentlich zur Entwicklungshilfe
und zur Hilfe für die Armen der Welt bestimmt sind, bereichern
sich an 9 von 10 Weltbank-Investitionen im Fossilbrennstoffbereich
letztlich tatsächlich multinationale Großkonzerne.
Die von der Weltbank finanzierten Fossilenergieprojekte
vergrößern Umsatz und Gewinn von Großunternehmen
mit Hauptsitz in den G7-Staaten{3}:
In diesem Bericht werden 51 von der Weltbank finanzierte Fossilbrennstoff-Kraftwerke,
20 Projekte bzgl. Öl- und/oder Erdgasfeldern, 10 Erdöl-
bzw. Erdgas-Pipelines, vier Kohleförderprogramme mit insgesamt
mehr als 26 Kohlegruben bzw. -feldern sowie 2 Erdölraffinerien
untersucht -- zusammen 87 Fossilbrennstoffprojekte. G7-Unternehmen,
darunter einige der größten der Welt wie Exxon, Shell,
Amoco und Westinghouse, sind in mindestens 71 dieser Projekte
als Investoren, Zulieferer, Auftragnehmer oder Kunden involviert.
Von den restlichen 16 untersuchten Projekten sucht mehr als die
Hälfte aktiv Investoren aus dem Ausland.
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Das ärmste Drittel der Weltbevölkerung
bekommt weniger als ein Zehntel der Weltbank-Mittel im Energiebereich,
trägt aber dafür den größten Teil der Umweltfolgen
und sozialen Kosten der fossilen Brennstoffe.
Die von der Weltbank finanzierte Richtung der Energiepolitik
zu einer intensiven Nutzung fossiler Brennstoffe forciert die
Indutrialisierung in den Entwicklungsländern, vernachlässigt
aber gleichzeitig die Energieversorgung der armen Landbevölkerung:
Etwa 78 Prozent des Energie-Etats der Weltbank geht in die Erdöl-,
Kohle- und Erdgas-Energie, die größtenteils industriell
genutzt wird, während weniger als 9 Prozent des Kreditvolumens
der Weltbank der Unterstützung jener 2 Milliarden Landbewohner
des globalen "Südens" gewidmet sind, die keinen Zugang zu
elektrischer Energie oder zu anderen Haushalts-Brennstoffen als
Holz, Ernteabfällen oder Tierdung haben.{4}
Obwohl es die erklärte Aufgabe der Weltbank ist, Armut zu
lindern und eine nachhaltige, umweltgerechte Entwicklung zu fördern,
schaden viele der von der Weltbank finanzierten Fossilenergie-Projekte
deutlich der Umwelt und der armen Landbevölkerung, deren
Existenzgrundlagen dabei zerstört werden. Gerade einheimische
Kleinvölker werden von diesem fossilbrennstoffintensiven
Entwicklungsmodell besonders schwer getroffen.
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Die Weltbank gibt mehr als 100 mal so viel
Geld zur Verstärkung wie zur Vermeidung der Klimaänderungen
aus.
Die Weltbank investiert mehr als das 100 mal so
viel Geld in Fossilbrennstoffprojekten wie sie der GEF für
Projekte zur Vermeidung von Treibhausgasemissionen zur Verfügung
stellt. Das Budget der innerhalb der Weltbank angesiedelten "Global
Environmental Facility" (Globale Umweltfazilität, GEF) --
der zentralen globalen Einrichtung zur Finanzierung von Projekten,
deren Ziel die Reduktion von Treibhausgasemissionen ist -- ist
verschwindend gering im Vergleich zu den Investitionen der Weltbank
im Bereich fossiler Brennstoffe.
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Die Weltbank und die G7 untergraben für
den Profit dem Sinn -- wenn nicht dem Buchstaben -- nach die Regelungen
der Klimakonvention.
Die Klimakonvention gestattet den Entwicklungsländern
eine uneingeschränkte Nutzung fossiler Brennstoffe zur Erfüllung
vorrangiger Aufgaben wie dem Vorantreiben ihrer wirtschaftlichen
und sozialen Entwicklung und der Bekämpfung der Armut. Dieses
Hintertürchen wird aber von multinationalen Großkonzernen,
den Staaten des Nordens sowie von Großbanken ausgenutzt,
die alle mit "business as usual" -- wie gehabt also -- weitermachen;
Treibhausgase erzeugen, die Umwelt verschmutzen, ohne den Energie-
und wirtschaftlichen Bedarf der Ärmsten anzugehen.
Fußnoten:
{1} Die Weltbankgruppe
umfaßt mehrere Einrichtungen, die Anleihen, Kredite, Kapital,
Garantien und Risikoversicherungen an verschiedenste Projekte vergeben.
Zur Weltbankgruppe gehören die Internationale Bank für Wiederaufbau
und Entwicklung (IBRD), gemeinhin "die Weltbank" genannt, die Internationale
Entwicklungsorganisation (IDA), die Internationale Finanz-Corporation
(IFC), sowie die Multilaterale Investitionsgarantie-Agentur(MIGA).
{2} s. International
Energy Outlook, April 1997, S. 138.
{3} Die G7 ist eine Gruppe
der sieben größten industriellen Wirtschaftsmächte
der Welt: Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien,
Japan, Kanada und die Vereinigten Staaten. Rußland ist seit
diesem Jahr assoziiertes Mitglied der G7.
{4} s. "Energy for Rural
Areas and the Urban Poor: A Strategy for Developing Countries," April
1995, Power Development, Efficiency and Household Fuels Division,
Industry and Energy Dept., World Bank, S. 59.
Die Autoren danken den folgenden Personen für
ihre Unterstützung für und ihre Beiträge zu diesem
Bericht: Antonio Macedo, Mark Hertsgaard, Connie Murtagh, Dafna Laurie,
Miho Tsujii, Andreas Strotmann, Carolyn Deere, Myriam Pemberton, John
Cavanagh, Sarah Anderson, Alicia Korten, Ted Libbey, Peter Kornbluh,
Richard Forrest, Ichiro Katsuki, John Coifman, Ruth Caplan, Lori Park,
and Mimi Kleiner.
Das Sustainable Energy and Economy Network (SEEN),
ein Gemeinschaftsprojekt des Institute for Policy Studies (Washington,
D.C.) und des Transnational Institute (Amsterdam), arbeitet gemeinsam
mit Nichtregierungsorganisationen aus den USA, Europa und Asien an Umwelt-
und Entwicklungsfragen. SEEN hat bereits zwei Berichte über die
Weltbank vorgelegt: " The Worldbank's Juggernaut: The Coal-Fired Industrial
Colonizattion of the Indian State of Orissa" sowie " Consultative
Group to Assist the Poorest: Opportunity or Liability for the World's
Poorest Women?" Daphne Wysham, die SEEN koordiniert, war Mitherausgeber
von " Beyond Bretton Woods: Alternatives to the Global Economic Order"
(erschienen Pluto, 1995), einer Sammlung von Essays zur Weltbank. Zusätzlich
zur Erarbeitung von Recherchen und politischen Initiativen arbeitet
SEEN zusammen mit Frauen im dörflichen Indien am " Women's Power
Project", einem Modellversuch für nachhaltige und umweltgerechte
Entwicklung im Umfeld von Frauenförderung, erneuerbaren Energien,
Wiederaufforstung und Kleinstbetrieben. Nähere Informationen hierzu
gibt: Daphne Wysham, SEEN/IPS, 733-15th St., NW, Suite 1020, Washington,
DC 20005. Telephon: (001) 202-234-9382. Fax: (001) 202-387-7915. E-mail:
dwysham@seen.org.
Der International Trade Information Service (ITIS),
ein Projekt des gemeinnützigen Tides Center, wurde 1995
mit dem Ziel gegründet, die sozialen und Umwelt-Folgen internationaler
Handelsverflechtungen zu ermitteln und aufzudecken. Mit Recherchen des
ITIS erarbeitete Berichte waren bisher drei grundlegende Arbeiten über
die Produktion von und den Handel mit ozonschicht-zerstörenden
Chemikalien (davon zwei in Zusammenarbeit mit Ozone Action und
einer mit Greenpeace International); "The World Bank's Juggernaut,"
eine Gemeinschaftsarbeit mit SEEN, die aufdeckt, wie multilaterale und
bilaterale Entwicklungshilfe mit den Interessen transnationaler Großunternehmen
dabei zusammengehen, aus einer indischen Region eine "Giftkolonie" zu
machen, die den G7 billige Rohstoffe liefert; sowie "A Day in the
Life of U.S.-Indonesia Trade," ein unabhängiger Bericht über
die sozialen und Umwelt-Folgen des Handels eines typischen Tages zwischen
den USA und Indonesien. ITIS liefert weiterhin Hintergrundinformationen
zu vielen Themen an zahlreiche gemeinnützige Einrichtungen. Nähere
Informationen hierzu gibt: Jim Vallette, ITIS, P.O. Box 658, Southwest
Harbor, ME, 04609, USA. Telephon: 001-207-244-3106. Fax: 001-800-861-9611.
E-mail: itis@igc.apc.org
Die Halifax Initiative ist eine Koalition kanadischer
Umwelt-, Entwicklungshilfe-, Sozialhilfe- und religiöser Gruppen,
die sich angesichts der Politik und Praxis internationaler Finanzinstitute
besorgt zeigen und deshalb eine grundlegende Reform dieser Organisationen
betreiben. Die 1995 gegründete Koalition arbeitet an Fragen wie
multilateralem Schuldenerlaß, Strukturausgleich, nachhaltiger
und umweltgerechter Entwicklung, sowie Verantwortlichkeit der Finanzinstitute.
Durch pädagogische, politische und Forschungsaktivitäten hat
die Koalition die Entwicklung einer aktiven, engagierten Öffentlichkeit
gefördert und dabei geholfen, der öffentlichen Diskussion
über die Rolle der Finanzinstitute in der Globalisierung Raum zu
verschaffen. Sie veröffentlicht einen jährlichen Zeugnisbericht
mit einer Bewertung der Effektivität der Reformen, die von den
Institutionen des Vertrags von Bretton Woods angegangen wurden, und
sie hat Recherchen zu Strukturausgleich, multilateralem Schuldenerlaß
sowie zur Tobin-Steuer herausgegeben. Nähere Informationen hierzu
gibt: Robin Round, Coalition Coordinator, Halifax Initiative, #142-1
Nicholas St., Ottawa, Ontario, Canada, K1N 7B7, Telephon: (001) 613-241-4611.
Fax: (001) 613-241-2292. E-mail: rjr@web.net,
Homepage: http://www.sierraclub.ca/national/halifax
Die Campagna per la Riforma della Banca Mondiale
(Kampagne für eine Reform der Weltbank), 1996 vom Centro Internazionale
Crocevia ins Leben gerufen, ist eine Koalition von 13 italienischen
Entwicklungshilfe- und Umwelt-NGOs (Nichtregierungsorganisationen),
die von Francesco Martone koordiniert wird. Das Ziel der Kampagne ist
es, die Möglichkeiten der zivilen Gesellschaft und der Parlamente
auszubauen, das Kreditverhalten und die Kreditpolitik der Weltbank zu
überwachen und zu beeinflussen. Sie konzentriert sich dabei vor
allem auf Projekte, bei denen italienische transnationale Konzerne eine
wesentliche Rolle spielen (wie z.B. im Wasserkraftsektor), oder bei
denen Weltbank-Politik und -Praxis den internationalen Verpflichtungen
Italiens widersprechen oder diese unterlaufen (wie z.B. im Fall der
Klimakonvention). Die Kampagne hat ein Hearing vor dem italienischen
Parlament zur Notwendigkeit von Reformen bei Weltbank und Internationalem
Währungsfond abgehalten, und an dem G7-Gipfel in Lyon sowie am
Jahrestreffen 1996 der Weltbank teilgenommen. Die italienische Fassung
dieses Berichts enthält ein zusätzliches Kapitel mit Daten
und Fakten einer Recherche über italienische bilaterale Entwicklungshilfen
für Wärmekraftwerke, die von Antonio Tricarico stammen. Nähere
Informationen hierzu gibt: Francesco Martone, Campagna per la Riforma
della Banca Mondiale, Via F.Ferraironi 88/G, 00172 Roma - Italy. Telephon:
39.6.24404212. Fax:39.6.2424177. E-mail: fmartone@gn.apc.org
Extrapoliert man die aktuellen Bevölkerungswachstums-
und Stadtentwicklungsraten über
die kommende Generation hinaus, ist damit zu rechnen, daß der
Industriedurchsatz und der Energieverbrauch in den Entwicklungsländern
auf das fünffache des aktuellen Werts anwachsen wird -- unter
der Gefahr einer irreversiblen Schädigung der Umwelt... Wir müssen
die Warnungen des Weltgipfels von Rio beachten und die Welt zum Wohle
unserer Kinder aktiv schützen.
-- Weltbankpräsident James Wolfensohn am 10. Oktober
1995 in einer Rede vor der Jahreshauptversammlung der Weltbank und
des Internationalen Währungsfonds.
Seit 1992 -- dem Jahr, in dem die meisten Regierungen
der Welt in Rio de Janeiro die Klimakonvention zur Zügelung der
Klimaänderung unterzeichneten -- hat die Weltbank ein agressives
US$ 9,4 Milliarden-Programm zur Öffnung von Erdöl- und Erdgasfeldern,
Kohleminen und Fossilbrennstoffkraftwerken in Entwicklungsländern
für ausländische Beteiligungen bzw. Übernahmen verfolgt.
Weitere US$ 4,1 Milliarden an solchen Fossilenergiekrediten der Weltbank
sind anhängig. Und jeder Dollar, den die Weltbank investiert, zieht
fünf bis sechs Dollar an zusätzlichen Investitionen aus dem
privaten Sektor nach sich.
Diese Energiestrategie der Weltbank ist praktisch maßgeschneidert
dafür, die Klimakonvention zu unterlaufen, da sie die rapide Ausweitung
von Fossilenergiegroßprojekten im Süden katalysiert. Diese
Weltbank-finanzierten Fossilenergie-Projekte werden einen spürbaren
Einfluß auf das Weltklima haben: alle von der Weltbank seit der
Klimakonvention genehmigten Projekte zusammen werden das Äquivalent
von mehr als der gesamten aktuellen jährlichen weltweiten Kohlenstoffemission
aus der Verbrennung von Fossilbrennstoffen zusätzlich in die Erdatmosphäre
einbringen.
Etwa neun von zehn Projekten, die die Weltbank finanziert,
kommen mindestens einem Konzern mit Hauptsitz in einem der reichen Staaten
der "Gruppe der Sieben" (G7) finanziell zugute. Ein Großteil der
Industrie, die die fossilen Brennstoffe verbraucht oder produziert,
ist aus den stärker industrialisierten Ländern, in denen die
Ressourcen knapp werden und Schwerindustrie und Energieverbrauch kaum
noch Wachstum zeigen, in den Süden abgewandert.
Die Weltbank spielt eine Schlüsselrolle bei der
Gewährleistung der Beteiligung von G7-Großkonzernen am Fossilenergieverbrauch,
da sie generell die Privatisierung von Industriesektoren in Entwicklungsländern
anordnet; sobald dies dann erfolgt ist, finanziert sie das erste Kraftwerk
oder Ölfeld, das ausländischen Investitionen offensteht. Ist
die Privatisierung eingeführt, haben die öffentlichen Energieversorger
keine Kontrolle mehr über den Ablauf von Beschaffungen.
Die vereinte Finanzkraft der G7-Staaten ist unheimlich;
zusammen macht ihr Bruttoinlandsprodukt (BIP) mehr als 68 Prozent der
gesamten Weltwirtschaft aus. Im Jahre 1995 erreichten ihre BIPs zusammen
den Gegenwert von US$ 17,2 Billionen, während die gesamte
Weltwirtschaft auf US$ 25 Billionen kam.{5}
Diese sieben Staaten gehören gleichzeitig zu den Hauptgeldgebern
der Weltbank und halten dementsprechend nahezu 50 Prozent der Stimmberechtigungen
ihres Vorstands, haben also damit einen gewaltigen Einfluß auf
die Bewilligung oder Ablehnung von Weltbankprojekten.
Alle sieben G7-Staaten gehören zu den 164 Nationen,
die die Klimakonvention ratifiziert haben; sie stehen sämtlich
auf der "Annex 1"-Liste der Industrieländer mit den höchsten
Pro-Kopf-Treibhausgasemissionen; und alle haben sie sich auf Empfehlung
des "International Panel on Climate Change" (Internationales Gremium
für Klimaveränderungen, IPCC) verpflichtet, ihre Treibhausgasemissionen
zu verringern. Nicht einer der Sieben hat bisher in diesem Punkt einen
merklichen Fortschritt erzielt.
Die Weltbank und die G7 unterlaufen damit dem Sinn, wenn
nicht dem Buchstaben nach die Klimakonvention, und zwar in dreierlei
Hinsicht:
- Sie fördern durch niedrigverzinsliche Anleihen, Garantien
und andere Investitionsanreize ein Entwicklungsmodell für die
Nicht-Annex-1-Länder, das dem Klima der Erde schadet, und von
dem abzusehen ist, daß es gerade den ärmsten Menschen
in den Entwicklungsländern besonderen Schaden zufügen
wird.
-
-
Indem sie von diesem alles andere als nachhaltigen
Entwicklungsmodell profitieren, nutzen sie ein Hintertürchen
in den Bestimmungen der Klimakonvention aus, das eigentlich für
Nicht-Annex1-Länder zur Förderung ihrer Wirtschaftsentwicklung
und zur Bekämpfung ihrer Armut gedacht war.
-
Indem sie nur in vernachlässigbarem Umfang
Mittel zur Bekämpfung der Energiekrise unter den 2 Milliarden
Ärmsten der Armen, der Landbevölkerung in den Entwicklungsländern
-- die auf die Verbrennung von Holz, Ernteabfällen und Dung
angewiesen sind --, zur Verfügung stellen, sorgen sie dafür,
daß die Zerstörung der Wälder infolge von Brennholzknappheit,
Bodenerosion und CO2-Emissionen aus diesem Bevölkerungssegment
weiter fortschreitet.
Fußnoten:
{5} 22. April 1996, Forbes
magazine and World Bank, "World Development Report 1996."
Fossile Brennstoffe -- Kohle, Erdöl und Erdgas
-- dienen derzeit als Hauptmotor der Industrialisierung. Gleichzeitig
ist die Verbrennung fossiler Energieträger aber auch der weitaus
wichtigste auslösende Faktor der Klimaveränderung, und damit
auch die größte Einzelbedrohung für die zukünftige
Stabilität des höchst komplex vernetzten Ökosystems dieses
unseres Planeten -- des Netzwerks des Lebens. In dieser Hinsicht ist
es daher fair zu behaupten, daß diejenigen, die die Energiepolitik
bestimmen, auch über die Zukunft unseres Planeten entscheiden.
Während die Erde heute stetig wärmer wird,
sitzen die Energiepolitiker das Problem aus. Weltweit sind dabei die
USA der größte Produzent von Treibhausgasen, und die mit
dem dicksten Sitzfleisch, haben sie doch bei ihrem ohnehin schon hohen
Anteil an den Welt-Treibhausgasemissionen (ca. 22 Prozent) diese seit
1992 um 12 Prozent erhöht, und sich vor jeglichen konkreten Reduktionsverpflichtungen
gedrückt. Kanada, die Nummer 2 in dieser traurigen Rangliste, hat
seine Treibhausgasemissionen ebenfalls erhöht (um 9,4 Prozent).
Tatsächlich werden nur sechs der 25 am stärksten industrialisierten
Länder der Welt bis zum Jahre 2000 ihre CO2-Emissionen
wieder auf den Stand des Jahres 1990 gedrückt haben -- und drei
dieser Länder, die in Osteuropa liegen, nur weil ihre Wirtschaft
zusammengebrochen ist.
Angesichts mangelnden guten Beispiels aus den reichen
Ländern, das man sich zum Vorbild nehmen könnte, wählen
Energiepolitiker in den Entwicklungsländern den Weg der billigsten
Energie, den der Fossilenergieerschließung, denn sie haben es
so gut wie aufgegeben, auf die Versprechungen der reichen Länder
bzgl. Technologietransfer und anderer Hilfen zu warten, die ihnen vor
fünf Jahren in Rio de Janeiro gemacht wurden.
Die Weltbank selbst hat sich als logischer Vermittler
für den Transfer von Mitteln und von Technologie zur Verhinderung
der Klimaänderungen vom reichen Norden in den armen Süden
positioniert. Unser Bericht zeigt aber, daß die Weltbank (zusammen
mit ihren Investoren aus den Ländern der Gruppe der Sieben (G7))
eine Beschleunigung der Klimaänderungen weit stärker finanziert
als jede Anstrengung, die Klimaänderungen zu bremsen, und daß
sie auch ihrem Auftrag nicht gerecht wird, mit ihren Investitionen den
Ärmsten der Erde zu dienen. Außerdem zeigen unsere Recherchen,
daß ausgerechnet die G7-Länder zu den Hauptnutznießern
der Weltbank-Finanzierungen gehören.
Selbst wenn die Weltbank heute noch aufhören würde,
fossile Energie zu unterstützen, werden nach unseren umfangreichen
Berechnungen bei Emissionen im Zusammenhang mit Projekten, die sie allein
in den vergangenen fünf Jahren bewilligt hat, 9,5 Milliarden Tonnen
Kohlenstoff (entsprechend 35 Gigatonnen Kohlendioxid) zusätzlich
in die Erdatmosphäre gelangen -- mehr Fossilbrennstoffemissionen,
als dieser unser Planet derzeit insgesamt pro Jahr produziert.{6}
Die Konsequenzen solch verschwenderischen Verbrauchs
von fossiler Energie sind für unseren Planeten katastrophal. Unter
den vielen Szenarien, die von den Klimaforschern bei ihren Vorhersagen
verwendet werden, gibt es das "Szenario hohen Wirtschaftswachstums,"
das den Fall weltweit ungezügelter Treibhausgasemissionen modelliert.
Unsere Recherchen zeigen, daß selbst dieses pessimistische Szenario
nicht die zusätzlichen Emissionen berücksichtigt, wie wir
sie beobachten werden, wenn die Weltbank ihre Gangart bei der mittels
Fossilbrennstoffen vorangetriebenen Industrialisierung des Südens
beibehält. Bei dieser Gangart kommen durchschnittlich etwa 2 Gigatonnen
Kohlenstoff pro Jahr zusätzlich in die Atmosphäre: bis zum
Jahre 2015 ergäbe sich so, daß die Weltbank die zusätzliche
Emission von 42 Gigatonnen Kohlenstoff in Entwicklungsländern finanziert
hätte. Im Vergleich dazu geht das "Szenario hohen Wirtschaftswachstums"
davon aus, daß im Mittleren Osten, in Lateinamerika, im sich entwickelnden
Asien, in Afrika, in Osteuropa und in der ehemaligen Sowjetunion zusammen
"nur" insgesamt 7 Gigatonnen Kohlenstoff bis zum Jahre 2015 emittiert
werden.{7}
Die diversen Klimaänderungsszenarien, ob optimistisch
oder pessimistisch, sagen eine Reihe von Änderungen voraus, die
auch ohne solche zusätzlichen Fossilbrennstoffemissionen schon
katastrophal genug sind: einen Temperaturanstieg um weltweit durchschnittlich
1 bis 3,5 Grad Celsius, einen Anstieg, der unabhängig vom Szenario
wahrscheinlich in einer Geschwindigkeit vor sich gehen wird, wie sie
die Erde seit über 10.000 Jahren nicht mehr erlebt hat. Begleitet
würde die Erwärmung von einem Anstieg des Meeresspiegels um
etwa 2/3 Meter; die Zerstörung ganzer Staaten (insbesondere kleiner
Inselstaaten) und die Überflutung großer Landstriche an den
derzeitigen Küstenverläufen wären die Folge. Man geht
davon aus, daß Korallenriffe und boreale Waldgebiete in den kommenden
Jahrzehnten deutliche Verluste erleiden werden, wobei die Pflanzen-
und Tierarten, die in ihnen leben, massiv vom Aussterben bedroht sind.
Die zunehmende Stärke und Häufigkeit von Stürmen, Überflutungen,
Dürren und unberechenbaren Wetterereignissen wird ernste Folgen
für die Wirtschaft haben. Krankheiten wie Malaria und Dengue-Fieber
werden voraussichtlich in nördlichen Breiten gedeihen, wo sie vorher
nie gesehen wurden.
Der Teil der Welt, der bisher den geringsten Anteil daran
hatte, daß das Klima aus dem Gleichgewicht geraten ist, nämlich
der Süden, wird aller Voraussicht nach den höchsten Preis
dafür zahlen müssen, und zwar in der Form von Dürrekatastrophen,
Mißernten, Versteppung und Wüstenausbreitung, und letztlich
Seuchen und Hungerkatastrophen größten Ausmaßes. Die
ärmsten Menschen im Süden, die auf kaum fruchtbarem Boden
leben, sind dabei besonders gefährdet. Ironischerweise beschleunigen
sich aber gerade in diesen Ländern des Südens die Treibhausgasemission,
und zwar in einem Tempo, das weit über das hinaus geht, was Forscher
bisher vorhergesagt haben -- wobei riesige Profite an Investoren aus
dem Norden und an die globale Fossilbrennstoffindustrie fließen.
Und die Weltbank hält das ganze zusammen.
Bei dem Treffen der G7-Industrienationen vom 20. bis
zum 22. Juni 1997 in Denver, an dem Rußlands Präsident Boris
Jeltsin und Weltbankpräsident James Wolfensohn teilnehmen werden,
um dringende internationale Wirtschaftsfragen zu besprechen, wird einer
der wichtigsten Tagesordnungspunkte das Thema der Weltklimaveränderungen
sein, sowie Maßnahmen zur Verhinderung weiterer rapider Ansammlung
von Treibhausgasen in der Erdatmosphäre. Die Klimaänderungen
werden auch beim 2. Weltklimagipfel der UNO in New York in der darauffolgenden
Woche zentrales Thema sein, wo sich zu den G7-Politikern Staatsoberhäupter
aus aller Welt gesellen werden.
Die Klimagespräche beider Treffen dienen zur Vorbereitung
eines weiteren Gipfeltreffens in Kyoto im Dezember, der Konferenz der
Unterzeichner der Klimakonvention, bei dem die Staatsoberhäupter
-- mittels komplexer Verhandlungen, deren Verfahren beim 1. Weltklimagipfel
1992 in Rio de Janeiro festgelegt wurden -- die Klimakonvention weiter
ausbauen sollen, indem sie verbindliche Verpflichtungen bzgl. der Reduktion
von Treibhausgasemissionen eingehen. Die Vertragsklauseln verlangen
nur von den Industrienationen (den "Annex-1"-Ländern), daß
sie solche Verpflichtungen in Kyoto unterzeichnen; Entwicklungsländer
(genauer "Annex-1"-Länder) sollen erst später, zu einem noch
nicht festgelegten Termin, unter solcherlei juristischen Druck gesetzt
werden.
Die beteiligten Nationen einigten sich dergestalt, weil
die Pro-Kopf-Treibhausgasemissionen in den reichen Ländern der
Erde die in der dritten Welt weit übersteigen. Entwicklungsländern
wurde eine längere Übergangsfrist eingeräumt, um Treibhausgase
langsam zu ersetzen, damit sie sich um andere, dringendere Probleme
wie ihre wirtschaftliche Entwicklung und Armutsbekämpfung kümmern
könnten. Paragraph 4, Abschnitt 7, der Klimakonvention besagt:
... Das Maß, in dem Unterzeichner-Entwicklungsländer
ihren im Rahmen der Konvention eingegangenen Verpflichtungen effektiv
nachkommen, wird von der Einhaltung ihrer Verpflichtungen durch die
entwickelten Unterzeichnerländer bzgl. finanzieller Mittel und
Technologietransfer abhängen, und wird voll berücksichtigen,
daß die Entwicklungsländer der wirtschaftlichen und sozialen
Entwicklung sowie der Ausrottung der Armut den Vorrang und die höchste
Priorität einräumen werden....
Die Verhandlungen berücksichtigten ebenfalls, daß es die
Industrienationen sind, die sowohl das Know-how und die Mittel zur Verfügung
haben, um zuerst mit der Verringerung der Treibhausgasemissionen zu
beginnen, und daß ihre Innovationen sowohl dazu, guten Willen
zu zeigen, als auch als Wegweiser dienen würden, dem die Entwicklungsländer
würden folgen können.
Im vorliegenden Bericht wird nachgewiesen, daß
ein großer Teil der Treibhausgasemissionen in Entwicklungsländern
von der Weltbank finanziert oder durch Investitionen der Weltbank katalysiert
werden -- von einer Institution also, die für sich in Anspruch
nimmt, "eine nachhaltige Entwicklung" zu fördern -- und daß
Konzerne mit Sitz in den Industrieländern zu den Hauptnutznießern
vieler dieser Unternehmungen gehören.
Statt also guten Willen zu zeigen, und statt Entwicklungsländer
bei der "vorrangigen wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung sowie
der Ausrottung der Armut" zu helfen, unterstützt die Weltbank vielmehr
Großunternehmen der Öl-, Gas- und Kohlebranche -- von denen
viele aus den "Annex-1"-Ländern abwandern -- bei ihren Bemühungen,
den Zwängen der Klimakonvention auszuweichen. Da die meisten von
der Weltbank finanzierten Unternehmungen zentralisierte Großprojekte
sind, die der Schwerindustrie oder dem Energieexport dienen, bringen
sie den Bürgern der Entwicklungsländer nur minimale Vorteile.
Tatsächlich erleben Normalbürger häufig Energiepreiserhöhungen,
Störungen in ihren traditionellen wirtschaftlichen Aktivitäten
und erhöhte lokale Umweltverschmutzung als Folgen von Weltbankprojekten.
Ironischerweise werden Stromausfälle für viele Stadtbewohner
in solchen Ländern wie Indien nur noch regelmäßiger
auftreten als bisher schon. Die Armut auf dem Lande wird durch viele
Weltbank-finanzierte Fossilenergieprojekte noch ausgebaut -- statt ausgerottet.
Klimaänderungen werden alle für die Ärmsten der Erde
nur verschlimmern.
Daher fordern wir die Weltbank und die G7 auf, als ersten
Schritt zur Wiederherstellung des Gleichgewichts des Klimas der Erde
die wachsende Ungleichberechtigung im Zugang zur Macht (sei es in ihrer
Form als Energie, natürliche Ressourcen, Reichtum oder Information)
zu bekämpfen, die sie bisher im Namen der "Armutslinderung" nur
fortschreiben helfen.
Fußnoten:
{6}s. S.
27 der Originalfassung dieses Berichts zu Methoden und einer zusammenfassenden
Tabelle der Fossilbrennstoffemissionen.
{7}"International Energy
Outlook", 1997, p. 138.
Katastrophale Folgen der Fossilbrennstoff-Expansionspolitik
der Weltbank im Süden für das Klima der Erde zeigen sich,
wenn große Mengen von Treibhausgasen durch die Gewinnung und Verbrennung
von fossilen Brennstoffen in der Erdatmosphäre freigesetzt werden.
Die im Zusammenhang mit von der Weltbank seit dem Weltklimagipfel 1992
finanzierten Fossilenergieprojekten entstehenden Emissionen werden sich
während der Lebensdauer der beteiligten Öl-, Gas- und Kohle-Felder,
-Pipelines und -Kraftwerke auf insgesamt etwa 9,5 Gigatonnen Kohlenstoff
addieren; weitere 1,3 Gigatonnen Kohlenstoff werden von Projekten emittiert
werden, die gerade in Bearbeitung sind. Das ist mehr als die derzeitige
jährliche Kohlenstoffemission der gesamten Welt, geschätzt
auf derzeit etwa 7,6 Gigatonnen pro Jahr. {8}
Seit Juli 1992 hat die Weltbank über US$ 9,4 Milliarden
an Anleihen, Krediten, Garantien oder anderen Finanzierungsformen für
Projekte zur Förderung und Nutzung fossiler Brennstoffe bewilligt,
und ist derzeit dabei, dies um weitere ca. US$ 4,1 Milliarden aufzustocken.
In diesen Projekten geht es um mindestens 51 Kohle-, Gas- oder Ölkraftwerke
(mit einer Leistung von zusammen über 29,6 Gigawatt), um 20 Öl-
oder Gasfelder, zwei geplante Ölpipelines, 8 andere Erdgas- oder
Ölpipelines und um 26 Kohleminen.
Die Auswirkung der Gesamtheit dieser Projekte auf Umwelt
und Wirtschaft ist unheimlich. Mithilfe der Weltbank werden so natürliche
Ressourcen und Kapital weg von den angeblichen Nutznießern dieser
Projekte und hin zu hunderten von Großkonzernen verschoben, wobei
die größte Kapitalbeteiligung auf Konzerne aus den G7-Staaten
entfällt. Dieselben Konzerne aus G7-Ländern besitzen, investieren
in, liefern Ausrüstung für und/oder nutzen die fossilen Brennstoffe
aus diesen Projekten. In fast 90 Prozent der Fossilenergieprojekte,
die die Weltbank finanziert, spielt (bzw. spielt höchstwahrscheinlich)
mindestens ein G7-Großkonzern eine direkte Kapitalrolle.
Jedes dieser Projekte muß vom Vorstand der Weltbank
genehmigt werden. Fast die Hälfte (nämlich 47 Prozent) der
Stimmrechte im Vorstand der Weltbank liegen bei denjenigen Vorstandsmitgliedern,
die dort die Interessen der G7-Länder vertreten. Durch Russlands
Beitritt zu diesem exklusiven Club der Wirtschaftsmächte, der neuen
"G8", wird sich die Machtwaage auf die 49,5-Prozent-Marke einpendeln.
Dadurch haben die G7 -- und jetzt erst recht die G8 -- starken Einfluß
auf und Macht über das Investitionsverhalten der Weltbank.
Statt aber nun dieses Einfluß für die Ärmsten
der Armen geltend zu machen, die ja die angeblichen Nutznießer
der Weltbankprojekte sind, haben die Weltbank und die G7 sich dazu entschlossen,
in Projekte zu investieren, die vielmehr den Reichsten der Reichen zugute
kommen. Zu den vielen tatsächlichen Nutznießern dieser Projekte
aus dem G7-Bereich gehören Großkonzerne, deren Jahresumsatz
größer ist als das Bruttoinlandsprodukt der meisten Entwicklungsländer.
Hierzu gehört z.B. der Konzern Enron. Diese relativ
unbekannte US-Firma setzte 1996 US$ 13,2 Milliarden um. Der Jahresumsatz
dieses Konzerns liegt damit über dem Bruttoinlandsprodukt von vier
der Staaten, in denen er von Weltbank-Investitionen im Fossilbrennstoffbereich
profitiert: dem Boliviens, der Dominikanischen Republik, Guatemalas
und Mosambiques. Enron besitzt zur Gänze oder zum Teil zwei Erdgasfelder,
zwei Erdgaspipelines und zwei Erdgas- bzw. Dieselkraftwerke, die mit
Weltbankprojekten in Verbindung stehen.
Von den Ärmsten der Armen bekommen nur wenige ihren
Teil ab von dem immensen Reichtum, den diese Projekte produzieren. Vielmehr
sind es tatsächlich allzu oft die Ärmsten der Armen, die einen
Gutteil der externalisierten Kosten dieser Projekte tragen, sei es in
Form von verseuchtem Trinkwasser, von verseuchter Luft, von dem Verlust
traditioneller Erwerbsformen wie z.B. der Fischerei, von Umsiedlung
oder von sozialen Unruhen.
Hinzu kommt, daß dort, wo Elektrizität erzeugt
wird, ihr größter Teil an den Armen vorbei in die Großindustrie
geschleust wird, die ihrerseits wiederum zu einem großen Teil
aus Dependencen internationaler Großkonzernen aus den G7-Ländern
besteht. Tatsächlich geben Weltbankmitarbeiter im persönlichen
Gespräch zu, daß die überwältigende Mehrheit der
armen Landbevölkerung trotz der Rekordausgaben für Energiegewinnung
in den Nicht-Annex1-Ländern auf absehbare Zeit keinen Zugang zu
elektrischer Energie bekommen wird.
"Es gibt keinen Zauberbrunnen, aus dem das Geld für
die 80 Prozent der indischen Landbevölkerung ohne Zugang zu Energie
fließen würde," befand Kari Nyman von der Weltbank bei einem
Treffen mit Washingtoner Nichtregierungsorganisationen (NGOs) am 30.
April 1997, an dem auch Jean François Bauer und Tjaarda Storm
van Leeuwen von der Weltbank teilnahmen. Dieselben Mitarbeiter der Weltbank
zeigten sich einhellig der Überzeugung, daß der Zugang zu
elektrischer Energie für Alle für Indiens Ärmste noch
auf lange Sicht unmöglich sein werde, trotz der Rekordausgaben
für den Ausbau der Kohleenergie, "es sei denn, jemand von außen
wäre bereit, finanzielle Unterstützung zu gewähren."
Derzeit werden keine 5 Prozent des Energiebudgets der
Weltbank für die Elektrifizierung ländlicher Gegenden ausgegeben;
keine 3 Prozent des Energie-Kreditvolumens der Weltbank werden in erneuerbare
Energieformen investiert; und etwa 2 Prozent entfallen auf Brennholzanleihen.
Insgesamt dienen damit keine 9 Prozent des Energie-Kreditvolumens der
Weltbank jenen 2 Milliarden ärmsten Menschen der Erde, die zumeist
in ländlichen Gegenden leben und auf Brennholz, Stroh und andere
Ernteabfälle oder auf Tierdung angewiesen sind, um ihren Grundenergiebedarf
zum Kochen und Heizen zu decken.{9}
Der Großteil der Weltbank-Kredite wird, wie dieser
Bericht zeigt, an Großprojekte im Bereich von fossilenergiebefeuerten
Kraftwerken oder im Erdöl- und Erdgasumfeld vergeben. Große
Staudämme und Straßenbau-Großprojekte werden ebenfalls
bevorzugt behandelt, wobei allerdings Staudämme für die Weltbank
aus zwei Gründen zunehmend unattraktiv werden: 1) weil Oppositionsbewegungen
im Süden zunehmend an Gewicht und breiter Unterstützung gewinnen
bei ihren Protesten gegen den schieren Umfang an Umsiedlungsmaßnahmen,
wie sie im Rahmen großer Staudammprojekte in der Regel nötig
werden, und 2) weil die lange Zeit zwischen Baubeginn und Fertigstellung
der Dämme, verglichen mit Kohlekraftwerken, sie zu weniger attraktiven
Investitionen macht.
Fußnoten:
{8}Climate Policy Division
(Abt. Klimapolitik) der US Environmental Protection Agency (US-Umweltbehörde);
Interview mit Wiley Barbour am 9. June 1997; extrapoliert aus dem Atmospheric
Stabilization Framework-Modell; sowie aus "No-Policy Global Greenhouse
Gas Emissions Scenarios: Revisiting the IPCC 1992 Projections,"
Wiley Barbour (im Druck).
{9} Ibid., "Energy for
Rural Areas and the Urban Poor", World Bank, S. 59.
Es muß hervorgehoben werden, daß unsere
ja so schon überwältigende Zahl von 9,8 Milliarden Tonnen
Kohlenstoff nur einen Bruchteil der Treibhausgasemissionen erfaßt,
die im Laufe der letzten fünf Jahre mehr oder weniger direkt der
Weltbank zugeschrieben werden können. Zum Beispiel...:
- ... sind in dieser Zahl die Kohlendioxidemissionen nicht enthalten,
die aus russischem Kohletagebau stammen. Dabei spielt die Weltbank
derzeit eine führende Rolle bei der Massenentlassung von Arbeitern
in russischen Kohleminen als erstem Schritt zur Privatisierung,
größerer Profitabilität für Investoren und
damit, unausweichlich, zu verstärktem Kohleabbau. Da die Weltbank
bis heute noch nicht direkt in den Ausbau der Kohleenergiegewinnung
im Zusammenhang mit diesen Minen investiert hat, haben wir diese
nicht in unsere Berechnungen einbezogen. Würden wir dies tun,
wobei die insgesamt von diesen Kohlegruben über ihre gesamte
Abbauzeit erzeugten Emissionen gerechnet würden, beliefe sich
die insgesamt der Weltbank zuzuschreibende Zahl bereits auf 85 Milliarden
Tonnen Kohlenstoff; das ist das 10-fache der derzeitigen Jahresemissionen
des gesamten Globus aus fossilen Brennstoffen.
-
-
... sind in dieser Zahl die Treibhausgase nicht
mitgerechnet, die aus den Krediten der Weltbank für das Transportwesen
resultieren werden, da es schwierig ist, die durch Straßenbau
zusätzlich erzeugten Treibhausgasemissionen zu quantifizieren.
Trotzdem muß darauf hingewiesen werden, daß die Weltbank
bei der Finanzierung von Straßenbauvorhaben (statt von Ausbaumaßnahmen
für den öffentlichen Personenverkehr und für Eisenbahnstrecken)
eine beträchtliche Rolle spielt, und daß diese Art der
Kreditvergabe den Automobilverkehr verstärken und damit zu
höherem Fossilbrennstoffverbrauch und damit letztlich zu einer
Erwärmerung des Klimas führen wird.
-
... fehlen in dieser Zahl ebenfalls die Auswirkungen
von Weltbankkrediten an energie-hungrige Industriezweige wie Stahl-,
Aluminium- und Zementwerke, deren Treibhausgasemissionen ebenfalls
beträchtlich sind.
-
... fehlt in dieser Zahl der Beitrag von Methan,
einem noch schädlicheren Treibhausgas als Kohlendioxid, das
bei der Gewinnung, beim Transport, bei der Verarbeitung und bei
der Verbrennung von Erdöl, Erdgas und Kohle entsteht bzw. freigesetzt
wird.
-
... fehlen schließlich in dieser Zahl die
Treibhausgase, die freigesetzt werden, weil die Weltbank ihre vorgebliche
Aufgabe fast völlig vernachlässigt -- nämlich den
Lebensstandard der Ärmsten der Armen zu heben und (in diesem
Fall) ihren Zugang zu Energiequellen zu verbessern. Diese Mißachtung
wichtiger Aufgaben wird zur Folge haben, daß mehr Biomasse
verbrannt wird, und daß damit weniger Kohlenstoff in Wäldern
und anderer Biomasse gebunden werden als es sonst der Fall hätte
sein können.
Dabei ist die Rolle der Weltbank als Katalysator in
der Fossilenergie-Industrie womöglich sogar noch wichtiger als
die direkten Konsequenzen ihrer Projekte. Sie liefert lediglich etwa
3 Prozent des gesamten Finanzbedarfs der Energieindustrie; der Kapitalfluß
aus dem privaten Sektor ist viermal so groß wie der aus öffentlichen
Entwicklungshilfefonds. Trotzdem spielt sie, wie sie selbst zugibt,
eine Schlüsselrolle insofern, als sie die Maßstäbe setzt,
nach denen andere Energieprojekte beurteilt werden. Dadurch übt
sie einen Einfluß aus, der weit über das Maß hinausgeht,
das ihrem Investitionsvolumen entsprechen würde. Die Weltbank selbst
investiert jährlich 3 bis 4 Milliarden US-Dollar in Energieprojekte
im globalen Süden, aber diese ziehen weitere 20 Milliarden US-Dollar
aus dem privaten Sektor nach sich. {10}
In praktisch jedem Land, in dem die Weltbank ein neues
Kraftwerk oder ein Ölfeld finanziert hat, hat sie im Vorfeld Deregulationsmaßnahmen
wie den Abbau von Subventionen, die Privatisierung des Energiesektors
oder die Senkung von Importzöllen durchgesetzt, die den fossilen
Brennstoffmarkt dieses Landes gegenüber ausländischen Investitionen
öffnen. Die Finanzierung eines Fossilenergieprojekts durch die
Weltbank oder durch private Investoren ist dann in der Regel der symbolträchtige
Höhepunkt der Verbrüderung zwischen den Ökonomen der
Weltbank und den Politikern des Landes.
Denn von nun an steht das Land offen für die Ausbeutung
durch einige der mächtigsten Konzerne der Welt, wie z.B. Shell
und Exxon. Diese Konzerne erschließen, und sind zumeist auch im
Besitz von, wesentlich mehr Fossilenergieprojekten als von der Weltbank
direkt finanziert werden.
Sollte ein Weltbank-finanziertes Projekt einmal nicht
in den Besitz eines Konzerns aus den G7-Staaten gehen, kann man sich
darauf verlassen, daß das Gastgeberland eines leer ausgegangenen
Großkonzerns seinen Unwillen äußert. Ende letzten Jahres
vergab so Zimbabwes Präsident Robert Mugabe ein privatisiertes
Weltbank-finanziertes Kohlekraftwerk an einem malaysischen Konzern.
Konzerne aus Frankreich, Großbritannien und den USA gehörten
zu den Verlierern. Die westlichen Regierungen reagierten wutschnaubend.
Die Botschafter Zimbabwes in den Hauptstädten der westlichen Welt
wurden herbeizitiert, sie mögen diese Entscheidung erläutern.
"Ich habe ihnen gesagt, sie sollen sich zum Teufel scheren," sagte der
Präsident, "denn das Hwange-Wärmekraftwerk gehört uns,
und wir tun mit ihm, was wir wollen."{11}
Fußnoten:
{10} "A Shadow Price
for Carbon Emissions in the Energy Portfolio of the World Bank: A Backcasting
Exercise," Terms of Reference. 27 Juni 1996. S. 3.
{11} s. S.
113 der Originalausgabe dieses Berichts zu Details.
Die Öffnung der Weltwirtschaft für Investitionen
transnationaler Großkonzerne war von Anfang an der "modus operandi"
der Weltbank. Sie hat immer schon darauf bestanden, daß diese
Art "Privatisierung" -- bei massiver Stützung durch multilaterale
und bilaterale Hilfsabkommen -- der Königsweg zur Bekämpfung
der Armut sei. Die Ökonomen der Weltbank argumentieren dabei, einfach
ausgedrückt, wie folgt: Die Kontrolle des öffentlichen Sektors
über den Energiesektor führt zu wirtschaftlicher Ineffizienz,
zu finanziellen Verlusten sowie zu Subventionen, die die wahren Kosten
der Energiegewinnung verschleiern; daher führe die Privatisierung
öffentlicher Energieversorger zu einer effizienteren Energienutzung,
also zur Generierung derselben Energiemenge zu einem geringeren Preis,
und damit zur Freisetzung von Kapitalquellen. Dieser durch Privatisierungen
entstandene "Finanzspielraum", so argumentiert die Weltbank, werde dann
der Finanzierung von Ausgaben im sozialen Sektor zur Verfügung
stehen.
Dieser "Finanzspielraum" entpuppt sich jedoch für
viele Staaten als ein finanzieller Alptraum. Tatsächlich drohen
einige Staaten bereits unter der finanziellen Belastung durch eingegangene
Verpflichtungen im Zusammenhang mit dem Bau von Großkraftwerken,
die sie sich effektiv nicht leisten können, zusammenzubrechen.
So hat sich zum Beispiel in Pakistan das Kraftwerk am
Hub River, Hubco, als ein höchst zweifelhafter Segen für den
frischgewählten Nachfolger von Benazir Bhutto, Ministerpräsident
Nawaz Sharif, erwiesen. Entgegen der Lobeshymnen von Frau Bhutto, daß
dieses von der Weltbank und den G7 finanzierte Kraftwerk ein Zeichen
für die "Energierevolution" Pakistans setze, kamen Analysten einer
Investmentfirma 1996 zu dem Schluß, daß dieses Kraftwerk
die jährlichen Ausgaben Pakistans für Brennstoffimporte von
derzeit US$ 1,5 Milliarden auf US$ 4 Milliarden hochkatapultieren werden.
Da Pakistans Regierung jährlich zusätzlich die horrende Summe
von US$ 1,3 Milliarden pro Jahr für Hubco abbezahlen muß,
müsse sie eventuell zur Finanzierung des Kraftwerks die Energiepreise
um 33 Prozent erhöhen.
Eine weitere, immer wieder von der Weltbank für
den Ausbau der Nutzung fossiler Energieträger im Süden vorgebrachte
Begründung lautet, daß ja der Pro-Kopf-Ausstoß an Treibhausgasen
in Ländern wie China und Indien nur einen Bruchteil dessen der
G7-Länder darstelle, und diese Länder daher ein gutes Recht
darauf hätten, ihre Energieressourcen auszubeuten, und die Weltbank
daher nicht gegen die Klimakonventionen vertoße, wenn sie ihnen
dabei helfe:
Der Bedarf an kommerzieller Energienutzung wird in den
Entwicklungsländern in den kommenden Jahrzehnten voraussichtlich
deutlich wachsen, unabhängig davon, welches Entwicklungsszenario
zugrunde gelegt wird, und insbesondere auch beim "energie-effizienten"
Szenario. Das liegt daran, daß erstens die Pro-Kopf-Verbrauchswerte
in den Entwicklungsländern sehr niedrig sind -- weniger als ein
Zehntel (im Fall elektrischer Energie weniger als ein Zwanzigstel)
des Pro-Kopf-Verbrauchs in reichen Ländern; daß zweitens
zwei Milliarden Menschen zum Kochen auf Brennholz und Dung angewiesen
sind, und zwei Milliarden Menschen (90 Prozent der afrikanischen Bevölkerung)
keinen Zugang zu Elektrizität haben; und daß es drittens
zu Massenverarmung führen würde, wenn der Energiebedarf
dieser Menschen nicht effizient befriedigt würde; die Verstärkung
der Abhängigkeit von Brennholz und Dung erfüllt im großen
Maßstab nicht die Kriterien nachhaltiger, umweltfreundlicher
Entwicklung.{12}
Diese Feststellungen treffen zwar alle zu, aber die implizierte
Behauptung ist, daß die Energiestrategie der Weltbank mit ihrer
Privatisierung und ihren Subventionsstreichungen im Energiesektor die
Lage der erwähnten 2 Milliarden Menschen, der armen Landbevölkerung,
verbessert und nicht verschärft. Aber die Energiestrategen der
Weltbank sehen die Energieversorgung von Land, Stadt und Industrie nicht
als nahtloses Ganzes. Sie geben zu, daß diese 2 Milliarden auf
Brennholz und Dung angewiesenen Menschen auch auf Dauer nicht anders
versorgt werden, unabhängig vom zugrunde gelegten Szenario.
Fußnoten:
{12}"The World Bank and
the UN Framework Convention on Climate Change," März 1995,
S. 5.
Die Strategie der Weltbank schafft es nicht nur nicht,
die Lebensqualität der armen Landbewohner in den Entwicklungsländern
zu verbessern, sondern vielen dieser um ihre Existenz ringenden Gemeinschaften
wird es dank der Energieprojekte der Weltbank sogar schlechter gehen
als zuvor.
So führte zum Beispiel in Orissa, dem ersten indischen
Teilstaat, der seinen Energiesektor privatisierte, die Streichung von
Subventionen für den Energiebedarf von Privathaushalten zu einer
Verfünffachung der Elektroenergiepreise für jene nicht einmal
20 Prozent der Haushalte, die überhaupt Zugang zu ihr haben, während
gleichzeitig die Energiepreise für industrielle Abnehmer um 23
Prozent fielen. Die so entstandenen Industrie-Energiepreise gehören
zu den niedrigsten der Welt, und ziehen ernergie-hungrige Industrien
wie Aluminium- und Stahlwerke unwiderstehlich an.
Die direkten Folgen einer solch rapiden Industrialisierung
sind für die betroffenen umliegenden Dörfer katastrophal.
Die meisten Dorfbewohner Orissas benutzen noch Reis statt Geld als Währung;
ein Reisfeld gesegnet vom Monsunregen und eine gute Ernte sind die einzigen
Reichtümer, die sie kennen. Aber jetzt, wo der Kohletagebau sich
dort ausbreitet und seine schwarzen Schlünde in den Himmel starren,
werden tausende von Dorfbewohnern von ihrem Land vertrieben und auf
Land umgesiedelt, das nur einen Bruchteil der Fläche und des Wertes
dessen hat, das sie vorher besaßen -- wenn sie Glück haben,
heißt das. Die weniger Glücklichen reihen sich in das Heer
der "Selbständigen" ein, einem Experiment der Weltbank zur Armutslinderung,
bei dem alle Anzeichen darauf hindeuten, daß es kläglich
scheitern wird.
Tote Flüsse spülen giftige Abwässer und
Kohlestaub durch Dörfer, in denen die Menschen immer noch auf diese
schwarze Brühe angewiesen sind, um aus ihr zu trinken, in ihr zu
baden und mit ihr die Felder zu bewässern. Der landwirtschaftliche
Ertrag der Bauern, die auf das Flußwasser angewiesen sind, ist
stark gefallen; Fischerdörfer sind leergefegt. Wasserfelder sind
in einigen Gegenden aufgrund von Bergbaumaßnahmen trockengefallen,
weil die Grundwasserpegel abgesenkt wurden, und in anderen Gegenden
ist das Grundwasser mit Industriegiften verseucht. Chronische Krankheiten
wie Krebs, Bronchitis und andere Lungen- und Hauterkrankungen breiten
sich rapide aus. Aber weil diese Kosten im Bruttoinlandsprodukt nicht
mitgerechnet werden, wird Orissas "Modellcharakter für erfolgreiche
Entwicklung und Privatisierung" herausposaunt und dieser Bezirk als
Leitbild (und Leithammel) für die Zukunft Indiens gefeiert.
Bis zum Jahr 2005 soll dann 1 Prozent aller Treibhausgasemissionen
der Welt aus dieser kleinen Ecke des Planeten stammen -- ein Drittel
des Anteils, den Indien als Land mit 937 Millionen Einwohnern derzeit
produziert.
Die Weltbank steht nicht alleine da bei ihrer Förderung
der Erschließung der Bergbauressourcen Orissas; praktisch die
gesamte G7 macht dabei mit. Bilaterale Finanzierungen durch die Regierungen
der USA, Italiens, Frankreichs, Großbritanniens, Japans, Deutschlands
und Kanadas ist an Weltbankanleihen oder an Finanzierungen durch andere
multilaterale Entwicklungsbanken wie die "Asian Development Bank"
(Asiatische Entwicklungsbank) gekoppelt. Zusammen haben diese Länder
und solche Banken seit 1993 US$ 2,85 Milliarden in die Wirtschaft Orissas
gesteckt.{13}
Die Geschichte Orissas wiederholt sich leider überall
auf der Welt: da die Industrieentwicklung sich im Norden abflacht und
im Süden beschleunigt, suchen sich globale Investoren zunehmend
Regionen aus, in denen Energieressourcen, die ja den Eckstein industrieller
Entwicklung darstellen, reichlich vorhanden und billig sind. Unter dem
Banner der "Armutslinderung" unterstützt die Weltbank sie bei diesem
Prozess, und spielt dabei eine zentrale Rolle in einem Spiel, das die
Klimakonvention zur Farce macht und gleichzeitig traditionelle nachhaltige
Wirtschaftsmodelle der dritten Welt zerstört.
Fußnoten:
{13} s. "The World Bank's
Juggernaut: The Coal-Fired Industrial Colonization of the Indian State
of Orissa," IPS/SEEN, September 1996.
Innerhalb der Weltbank gibt es welche, die abstreiten,
daß die Situation der von ihren Projekten betroffenen Menschen
so schlimm ist wie sie es ist. Einer italienischen Zeitung erklärte
im April 1997 der Pressesprecher der Weltbank, Nick Van Praag: "Die
Weltbank trägt nicht zur Klimaveränderung bei." Andere Weltbankmitarbeiter
sind etwas offener und behaupten, daß diese Finanzierung einer
von fossilen Brennstoffen befeuerten Industrialisierung das kleinere
zweier Übel sei: "Wenn die Weltbank diese Kohlekraftwerke nicht
finanzieren würde, würden es andere tun, die nicht so hohe
Umweltmaßstäbe anlegen wie wir," erklärte der Senior
Operations Officer der Weltbank Hiraoki Suzuki im April 1997 vor
NGOs in Washington.
Die eigenen Veröffentlichungen der Weltbank über
ihre Politik angesichts der Klimaveränderungen zeigen sie innerlich
gespalten bezüglich der Interpretation der Grundsätze der
Klimakonvention:
Seit ihrer Gründung hat die Weltbank immer sichergestellt,
daß ihre Aktivitäten internationalen Konventionen entsprechen...
Es ist natürlich sehr schwierig zu definieren, welche Richtlinien
und welche Investitionen der [Klima-]Konvention "entsprechen", insbesondere
wo sie Entwicklungsländer betreffen... Eine Anleitung durch die
[Unterzeichner der Konvention] bzgl. der Frage, wann und wo solch
ein Wachstum gemäßigt werden muß, um der [Klima-]Konvention
zu entsprechen, wird sich erst mit der Zeit entwickeln.{14}
Fußnoten:
{14} "The World Bank and
the UN Framework Convention on Climate Change," März 1995,
Papier des Environment Department S. 3-4.
So manche Ironie liegt darin, daß die Weltbank
das Problem der Klimaveränderung mithilfe von G7-Finanzen verschärft.
Deren größte ist dabei, daß ihre Energiestrategie in
krassem Widerspruch zu einer ihrer offiziellen Aufgaben steht: der Verhinderung
der Klimaänderungen. Auf dem Weltgipfel wurde sie nämlich
gemeinsam mit dem Umwelt- und dem Entwicklungsprogramm der UNO beauftragt,
die finanziellen Mittel zur Durchsetzung der Klimakonvention zu mobilisieren.
Die GEF (" Global Environment Facility", Globale Umweltfazilität),
angesiedelt innerhalb der Weltbank, wurde zu diesem Zweck als kurzfristige
Maßnahme eingerichtet, um Kompensation an solche Entwicklungsländer
zu leisten, die Aktivitäten zur Erhaltung der Arten und zur Wiederherstellung
des Klimagleichgewichts angehen, die für sie ohne solche Unterstützung
unerschwinglich wären. Somit ist die Weltbank, wie Andrew Steer,
Direktor der Umweltabteilung der Weltbank, jüngst in einem Brief
an besorgte NGOs schrieb, zu "der Welt größtem Finanzier
von Projekten zur Reduktion von Kohlenstoffemissionen" geworden. {15}
Aber Steer hätte genausogut in diesem Satz "Reduktion"
durch "Produktion" ersetzen können, und wäre dabei ehrlicher
gewesen: die linke Hand der Weltbank finanziert klimafreundliche Maßnahmen
in Höhe von jährlich US$ 110 Mio., während ihre rechte
klimaveränderungsverschärfende Maßnahmen mit US$ 2-3
Milliarden pro Jahr finanziert -- also mehr als das 100-fache dessen,
was die GEF seit dem Weltklimagipfel zur "Verhinderung der Klimaänderungen"
ausgegeben hat.{16}
Ein weiterer ironischer Schlenker wurde im Laufe der
letzten fünf Jahre in Washingtoner Politikerbüros ausgeheckt.
Seit dem Jahre 1992 veröffentlichte die Weltbank im Verlaufe langwieriger
Konsultationen mit NGOs und mit dem Segen ihres Vorstands zwei Richtlinien
zu Energiefragen. In diesen Dokumenten, "The World Bank's Role in
the Electric Power Sector" ("Die Rolle der Weltbank im Elektroenergiesektor")
und "Energy Efficiency and Conservation in the Developing World"
("Energie-Effizienz und Energie-Sparen in Entwicklungsländern"),
wurden folgende Richtlinien festgelegt:
- Die Verpflichtung zu einem offenen Entscheidungsfindungsprozess.
- Die Entscheidung, eine kostenminimierende Energieplanung, wie
sie seit langem von Umweltschützern verlangt wird, voran zu
bringen.
- Die Entscheidung, daß Subventionen für fossile Energieträger
und andere traditionell nicht nachhaltige Energiequellen entfallen
sollen.
- Die Übereinstimmung mit Umweltschützern, daß die
Nachfrage in ihren eigenen Planungen das Energieangebot bestimmen
solle, sowie, daß dieses Prinzip und das des sparsamen Umgangs
mit Energie dem Prinzip der Ausweitung des Energiemarktes vorzuziehen
sind.
- "Technologien zur Verminderung der Umweltverschmutzung" müßten
in ihrer Energie-Kreditpolitik kräftiger unterstützt werden.
- Einigkeit mit Umweltschützern dahingehend, daß all
diese Richtlinien in Gespräche der Weltbank mit ihren Kunden
eingebunden und bei Kreditverträgen deutlich hervorgehoben
werden sollten.
Diese Prinzipien wurden von Umweltschützern hoch
gelobt, jedoch erwiesen sie sich bald als leere Formeln: Sie bekamen
nicht den finanzpolitischen Rückhalt, der notwendig gewesen wäre,
ihnen innerhalb der Weltbank Vorrang einzuräumen. Eine Studie des
Environmental Defense Fund und des Natural Resources Defense
Council aus dem Jahre 1994 mit dem Titel "Power Failure"
kam zu dem Schluß, daß nur 2 der 46 untersuchten Elektroenergieanleihen
mit den eigenen, oben genannten Richtlinien der Weltbank konform liefen.
Dieses Ergebnis wurde nochmal von einer Studie des World Wildlife
Fund (Welttierschutzbund, WWF) bestätigt, die im Jahre 1996
in Auftrag gegeben wurde; diese untersuchte 56 Energieanleihen und fand
nur 3, die den Vorgaben entsprachen, die die der Vorstand der Weltbank
bereits im Oktober 1992 in Kraft gesetzt hatte.
Im Sommerloch des August 1996 dann setzte die eigene
Rechtsabteilung der Bank zu einem "Schleichangriff" auf diese Prinzipien
an. Möglicherweise als Reaktion auf internationale Kritik oder
vielleicht angesichts erfolgreicher Einsprüche des frisch eingesetzten
Inspection Panel (Kontrollgremiums) der Weltbank begann die Rechtsabteilung
damit, die bis dahin verbindlichen operational policies (Richtlinien)
in unverbindliche good practices (Empfehlungen) umzuformulieren
(GP 4.45 "Electric Power Sector" (Elektroenergiesektor) und GP
4.46 "Energy Efficiency" (Effiziente Energienutzung)). NGOs erhoben
schnell und einhellig Einspruch dagegen, aber die Rechtsabteilung der
Weltbank argumentierte, daß die Empfehlungen nicht in einer ordentlichen
Vorstandssitzung, sondern lediglich "im Rahmen eines Vorstandstreffens"
("during a board seminar") verabschiedet wurden und sie daher
keine echten Richtlinien darstellten, gegen die vor dem Kontrollgremium
Einspruch erhoben werden könnte.
Fußnoten:
{15} Briefantwort Andrew
Steers auf schriftliche Anfrage zur Klimaänderung durch Erik Jansson,
Department of the Planet Earth, mit Datum 15. April 1996.
{16} Laut Angaben der Weltbank
beträgt das Budget der GEF zum Klimaschutz ca. US$ 450 Mio.; davon
geht allerdings viel an Erdgasprojekte und Machbarkeitsstudien. Nur
von US$ 110 Mio. kann man ehrlich behaupten, daß sie an Projekte
zur Vermeidung der Klimaveränderungen gehen.
Die Weltbank hat auf dem Gebiet erneuerbarer Energien
inzwischen einige positive Maßnahmen ergriffen: So startete sie
1994 die Solar Initiative, die die Kenntnisse ihrer Mitarbeiter
und Kunden bzgl. der Vermarktbarkeit erneuerbarer Energie erweitern
sollte. Leider blieb ihr Budget für erneuerbare Energie bis heute
unbedeutend. Hinzu kommt noch, daß die Ideologie, die in diesem
und in anderen Projekten der Weltbank zum Thema erneuerbare Energie
verbreitet wird, verlangt, daß sie ohne Subventionen gefördert
werde -- eine Taktik, die den Mangel an gleichwertigen Marktbedingungen
im Vergleich zu nicht-erneuerbaren Energiequellen ignoriert.
Diese Solarinitiative der Weltbank macht inzwischen ein
klein wenig Fortschritte -- mit einem Programm, das indonesischen Banken
dieses Jahr US$ 44 Mio. an Krediten zur Verfügung stellt und etwa
eine Million Indonesier mit Solarsystemen versorgen wird.{17}
Allerdings, wie die Bank zugibt, werden ihre Kunden zumeist "kleine
Unternehmen" sein{18} -- oder aber die
Mittel- und Oberklasse-Landbewohner mit dem notwendigen Kapital zur
"Schaffung eines Marktes" für erneuerbare Energie. Damit wird das
dornige Problem der Finanzierung der Inangriffnahme des Zielmarktes
der 2 Milliarden armer Landbevölkerung, die keinen Zugang zu Krediten
oder anderen Finanzierungsformen haben, wieder einmal ignoriert.
Dabei gibt es massenweise innovative Finanzierungsnsätze
gerade für die Ärmsten der Erde: rund um den Globus sammelt
sich Unterstützung rund um das Schlagwort "Kleinstkredit" -- Kredit,
zugeschnitten auf die Ärmsten, insbesondere die Frauen unter ihnen.
Tatsächlich hat die Weltbank den Erfolg dieser Bewegung anerkannt,
indem sie ihren eigenen Kleinstkredit-Arm gegründet hat: die Consultative
Group to Assist the Poorest (Beratungsgruppe zur Unterstützung
der Ärmsten, CGAP). Aber auch hier wendet sie ihre alte Patentlösung
der Großprojekte an, deren Erfolge zu der eigentlichen Zielgruppe
nur langsam durchtropfen, und versagt dadurch bei dem Versuch, von den
Lehren und Herausforderungen zu profitieren, die sie solch revolutionären
Bankiers wie der Grameen Bank in Bangladesch und der Self-Employed
Women's Association (Gemeinschaft selbständiger Frauen) in
Indien verdanken könnte.{19}
In den meisten Entwicklungsländern wird ein Großteil
-- wenn nicht der größte Teil -- des Brennstoffs zum Kochen
verbraucht. Frauen sind traditionell in praktisch jedem einzelnen Entwicklungsland
diejenigen, die diese Brennstoffe sammeln und verwalten;{20}
und Frauen machen gleichzeitig auch die große Mehrheit der Ärmsten
der Armen aus. Trotzdem schaffen die eigenen Energieplaner der Weltbank,
die für die ländliche Energieversorgung zuständig sind,
es nicht, die Frauenkomponente der dortigen Energiekrise auch nur zu
erwähnen, und sorgen damit dafür, daß die vorgeschlagenen
Lösungen das Problem nicht adäquat angehen.{21}
Fußnoten:
{17} Diese löbliche
Initiative erreicht leider nur 1 Mio. der 115 Mio. Landbewohner Indonesiens,
die keinen Zugang zu elektrischer Energie haben.
{18} World Bank News,
30. Januar 1997, "Solar Energy to Light Up Indonesia."
{19} Zu weiteren Kritikpunkte
s. "The World Bank s Consultative Group to Assist the Poorest: Opportunity
or Liability for the World's Poorest Women," Nan Dawkins-Scully
und Daphne Wysham, IPS, April 1997.
{20} Näheres s. Energia
News. Kontaktadresse: Energia News, c/o TOOL Consult, Sarphatistraat
650, 1018 AV Amsterdam, Niederlande. e-mail: toolconsult@tool.nl.
{21} s. z.B. "Rural Energy
and Development: Improving Energy Supplies for Two Billion People,"
World Bank, 1996
Die Weltbank hat jüngst begonnen abzuschätzen,
ob ein "Schattenpreis" für Kohlenstoff Einfluß auf ihre Investitionen
im Energiesektor hätte. Ein "Schattenpreis" für Kohlenstoff
würde es den Ökonomen erlauben, die Kosten und Vorteile der
Vermeidung kohlenstoffintensiver Energieprojekte auszuwerten, ohne dabei
tatsächlich eine Steuer zu erheben. Es überrascht nicht, daß
ein vorsichtig geschätzter "Schattenpreis" von US$ 20 pro Tonne
vermiedenen Kohlenstoffs tatsächlich eine deutlich andere Wahl
der Energieform bewirken würde. So würde erneuerbare Energie
plötzlich attraktiver für Investitionen, während Kohleenergie
"unberührbar" würde.
Weltbank-Umweltberater Robert Goodland fordert seine
Institution, möglicherweise in Erkenntnis der Rolle der Weltbank
als Dreh- und Angelpunkt in der aktuellen Klimakrise, leidenschaftlich
dazu auf, in zwei Schritten auf die Internalisierung der wahren Kosten
von Kohlenstoffen in ihren Projektrechnungen hinzuarbeiten:
In diesem Paper treten wir dafür ein, daß
alle Unternehmungen [der Weltbank], die Kohlenstoffe emittieren oder
Kohlenstoffemissionen vermeiden, in zwei Schritten die Kosten im Zusammenhang
mit Kohlenstoff internalisieren sollten, die von [ihren] neuen Projekten,
in denen CO2 eine Rolle spielt, eingegangen oder vermieden
werden. ... Im ersten Schritt sollten die Kohlenstoffkosten lediglich
theoretisch bei der Projektuntersuchung einbezogen werden, um objektiv
zwischen verschiedenen Alternativen mit diversen Graden an Kohlenstoffemissionen
unterscheiden zu können. ... Im zweiten Schritt treten wir für
einen gründlichen Prozess ein, in dem die [so] geschätzten
Kohlenstoffkosten an die letztlichen Verbraucher und Dienstnehmer
kohlenstoffemittierender Projekte und Prozesse durchgereicht werden.
... Da [uns] nur wenig Zeit bleibt, weisen wir auf die Dringlichkeit
dieser Vorschläge hin, die von entscheidender Bedeutung für
Nachhaltigkeit sind.{22}
Möglicherweise als Eingeständnis der Unzuläglichkeit
ihrer 1995 in der Schrift "The World Bank and the UN Framework Convention
on Climate Change" (Die Weltbank und die UN-Rahmenkonvention zur
Klimaveränderung) fortgeschriebenen Strategie steht die Weltbank
im Begriff, eine Revision dieser Richtlinien herauszugeben. Diese steht
zu Redaktionsschluß dieses Berichts noch nicht zur Verfügung,
jedoch ist zu erwarten, daß sie die derzeit von der Weltbank verfolgte
Politik ausbauen wird, nämlich: "gemeinsame Durchsetzung" (Joint
Implementation, JI), d.h. Tauschhandel mit Emissionskontingenten; vollständiger
Subventionsabbau für fossile Brennstoffe und andere Energiequellen;
und Privatisierung von Energieerzeugung, -Transport und -Verteilung.
Die Clinton-Regierung setzt sich besonders lautstark
für die "gemeinsame Durchsetzung" ein -- als "flexibler" Strategie
zur Emissionsverringerung. Kritiker dieser Strategie halten dagegen,
daß sie es der Fossilenergieindustrie schlicht erlauben würde,
genauso zu handeln wie bisher, nur noch verstärkt -- nämlich
in die Nicht-Annex-1-Länder abzuwandern, um dort ihre Schmutzarbeit
zu erledigen. Sie wenden weiter dagegen ein, daß diese Strategie
nicht ausreichend Druck auf die Länder mit dem höchsten Treibhausgasausstoß
(die ja gleichzeitig die reichsten Länder sind) ausübt, ihre
Emissionen zu reduzieren, weil sie für relativ billiges Geld ihre
wenig nachhaltigen Wachstumsmuster beibehalten könnten.
Fossilen Brennstoffen wird derzeit ein "Freifahrtschein"
rund um den Globus gewährt -- externalisierte Kosten und internalisierte
Subventionen machen ihren Verbrauch zum Weg des geringsten Widerstands.
Einige Schätzungen ergeben einen derzeitigen Umfang der Subventionen
für fossile Brennstoffe von etwa US$ 200 Milliarden. Der vollständige
Abbau von Subventionen für fossile Brennstoffe wäre ein Schritt
in die richtige Richtung, vorausgesetzt, er würde begleitet von
einem Steuerkonzept, das einen Markt für saubere, erneuerbare Energiequellen
schaffte. Da aber der Vorrang dem Marktwachstum und dem freien Wettbewerb
aller Energiequellen eingeräumt wird, würde dies wahrscheinlich
das Aus für Subventionen für erneuerbare Energiequellen bedeuten,
wodurch diese kostenmäßig nicht mehr wettbewerbsfähig
wären.
Subventionen kommen in vielen Formen und Farben und sind
schwer mit wissenschaftlicher Genauigkeit zu messen. So ist zum Beispiel
die Übernahme von Risiken eine beträchtliche Subvention, die
die Weltbank Infrastrukturprojekten gewährt, entweder in aller
Form (durch die Multilaterale Investitionsgarantie-Agentur MIGA) oder
weniger offensichtlich durch Garantien der Internationalen Bank für
Wiederaufbau und Entwicklung (IBRD). Dadurch reduzieren sich die Risikoversicherungskosten
eines Investors, die er sonst selbst würde tragen müssen,
und werden auf die Weltbank abwälzt.
Steuerlasten -- und steuerfreie Investitionsmöglichkeiten
-- sind eine weitere Subventionsform. Die Weltbank zahlt keinerlei Steuern
für ihre Büros in Washington. Öffentliche Güter
und Dienste -- die ansonsten auf dem freien Markt erstanden werden müßten
-- sind ebenfalls eine beliebte Form der Subvention, und auf diese konzentriert
sich die Weltbank typischerweise bei der Privatisierung im Energiesektor.
Während die Privatisierung des Energiesektors theoretisch
dazu dient, die Ineffizienzen eines öffentlichen Dienstes auszuschalten,
geht es bei ihr, wie die vorliegende Untersuchung zeigt, ebenfalls um
den Zugang zu einem der lukrativsten Märkte des Globus, dem Energiemarkt,
für einige der größten Konzerne der Welt. Privatisierung
erlaubt es, die lebenswichtigen Energieressourcen eines Landes zum privaten
Nutzen und Gewinn auszubeuten -- statt sie zum Gemeinwohl einzusetzen.
Und in Fallstudie auf Fallstudie zeigt sich in unserer Untersuchung
immer wieder, daß es die die Umwelt und die Armen sind, die direkt
für diesen privaten Gewinn und Nutzen leiden und Schaden nehmen.
Fußnoten:
{22}"The Urgent Need to
Internalize CO2 Emission Costs," R. Goodland und S. El
Serafy, Entwurf vom 9. Mai 1997.
So manche Ironie darin, daß die Weltbank die Klimaveränderungen
forciert, kommt noch hinzu, wenn man dies im Zusammenhang mit ihren
kontrollierenden Mitgliedern, den G7-Staaten, betrachtet. Auf dem G7-Gipfel
in Halifax in Kanada verabschiedeten die Mitgliedsstaaten der G7 im
Mai 1995 folgende Resolution:
Wir geben dem Schutz der Umwelt oberste Priorität
bei unseren nationalen und internationalen Aktivitäten... Wir
unterstreichen die Bedeutung der Einhaltung der Zusagen, die wir auf
dem Weltgipfel in Rio 1992 und auch später gemacht haben, sowie
die Notwendigkeit ihrer Prüfung und (bei Bedarf) Intensivierung.
Die Klimaveränderungen bleiben von globaler Bedeutung.
Wieso sollten die G7 also die Klimakonvention untergraben?
Zusammen mit ihrem neuesten Zuwachs, Rußland, kommen sie auf Haaresbreite
an die 50 Prozentmarke der Stimmanteile an der Weltbank heran. Sie könnten
doch dafür stimmen, das Tempo bei den Kohlenstoff-intensiven Projekten
zu drosseln oder zumindest das Mandat der Weltbank zu verwirklichen,
die Armut insbesondere der Ärmsten dieser Welt zu lindern, aber
stattdessen haben sie sich entschlossen, die Entwicklung kohlenstoff-intensiver
Projekte zu beschleunigen und für solche Projekte zu stimmen, die
in ihre eigenen Taschen wirtschaften.
Aufträge im Entwicklungssektor sind Big Business
und nicht etwa Wohltätigkeitsveranstaltungen. Wie der damalige
Undersecretary für internationale Fragen im US-Finanzministerium,
Larry Summers, vor dem Kongress aussagte, bekommen die USA für
jeden Dollar, den sie in den Finanzsäckel der Weltbank geben, Aufträge
an ihre eigenen transnationalen Großkonzerne im Wert von einem
Dollar und 30 Cents zurück.{23} Diese
Formel ist relativ vorhersagbar: je größer der Anteil eines
Landes am Finanzhaushalt der Weltbank, umso größer sein Stimmanteil
in ihrem Vorstand, und umso größer auch die Aufträge,
die in dieses jeweilige Land zurückfließen.
Im Bilanzjahr 1994/95 zum Beispiel wurden Aufträge
wie folgt in G7-Länder vergeben (sortiert nach US$-Werten der gesamten
Aufträge): USA (US$ 779 Mio.), Frankreich (US$ 500 Mio.), Großbritannien
(US$ 428,5 Mio.), Deutschland (US$ 296 Mio.), Japan (US$ 209 Mio.),
Kanada (US$ 128 Mio.) und Italien (US$ 124,5 Mio.). Dabei ist zu berücksichtigen,
daß diese Zahlen aus zweierlei Gründen die tatsächlichen
in die G7-Länder zurückgeflossenen Auftragswerte unterschätzen:
1) räumt die Weltbank selbst ein, daß sie nur zwischen 60
und 80 Prozent der im Prüfzeitraum vergebenen Aufträge erfaßt
hat; und 2) verbergen sich hinter den offiziellen Auftragnehmmern zahllose
Tochterunternehmen transnationaler Großkonzerne. Und ein wichtiger
Auftragsmarkt ist hierbei der Erdöl-, Erdgas- und Energie-Sektor.
Fußnoten:
{23} Aussage vor dem Kongress
der Vereinigten Staaten, Lawrence Summers, undersecretary for international
affairs, Treasury Department, US-Regierung. 27 März
1995.
Die Zeichen der Klimaveränderung sind nirgendwo
mehr zu übersehen. Ein prähistorischer Mensch wird in einer
Hitzewelle von einem Gletscher in den italienischen Alpen freigegeben,
in dem sein Körper Jahrhunderte tiefgekühlt intakt erhalten
blieb. Ein Eisberg der Größe eines US-Bundesstaats, Rhode
Island, bricht von der Eiskruste der Antarktis ab. Rekordunwetter, Hitzewellen
mit hunderten von Todesopfern und Waldbrände noch nie erlebten
Ausmaßes wüten auf dem ganzen Planeten. Die Rückversicherungswirtschaft
kosteten die Unbilden des Wetters 1996 weltweit die Rekordsumme von
US$ 60 Milliarden. Und schließlich kommt selbst das vorsichtige
IPCC zu dem Schluß, daß die Menschheit deutliche Spuren
im Chaos der Wettersysteme hinterlassen habe. Während wir uns auf
den Rand des Abgrunds einer Klimakatastrophe zubewegen, drängen
uns Öl-, Erdgas-, Kohle- und Autokonzerne, "einen ausgeglichenen
Weg einzuschlagen" und "gemächlich vorzugehen." Aber nun müssen
wir feststellen, daß uns die Weltbank, statt gemächlich vorzugehen,
noch schneller als wir je geahnt hatten zum Rand des Abgrunds drängt
-- im Namen von "Armutslinderung" und "nachhaltiger Entwicklung".
Offenbar muß die Welt sich darüber klar werden,
was sie getan und angerichtet hat, solange es noch wieder rückgängig
gemacht werden kann.
- Zuallererst müssen die Klimakonvention wieder überdacht
werden. Sie muß so umgebaut werden, daß ihre ursprünglichen
Bestimmungen -- nämlich die, daß die Nicht-Annex-1-Länder
sich vorrangig ihren Problemen der Armutslinderung widmen sollen
-- nicht von der Industrie des Nordens ausgenutzt werden, und diese
nicht auch noch von der Weltbank dabei unterstützt werden.
-
-
Die Weltbank sollte sich zu einem Lieferer von Energieleistungen
wandeln, die wahrhaft nachhaltig, umweltfreundlich und erneuerbar
sind.
-
Sie sollte schleunigst die Vorschläge Robert
Goodlands in die Tat umsetzen, die Kosten von Kohlenstoffemissionen
in zwei Schritten zu internalisieren -- angefangen mit einem "Schattenpreis"
für Kohlenstoffemissionen und fortgesetzt mit einer baldmöglichsten
vollständigen Internalisierung aller Kosten von Kohlenstoffemissionen.
Ferner sollte sie mit sofortiger Wirkung die folgenden Änderungen
vornehmen:
- Sie sollte sämtliche laufenden Energie- und Transportinvestitionen
sowie ihre entsprechenden Richtlinien und Empfehlungen gründlich
und in offener und durchschaubarer Weise überprüfen,
und dabei insbesondere darauf achten, welche institutionellen
Hindernisse der Durchsetzung der durch die Klimaänderungen
vorgegebenen Prioritäten im Wege stehen; und zwar zur Vorbereitung
einer Neuorientierung der Weltbankaktivitäten hin zu einer
vollen Unterstützung der Ziele der Klimakonvention.
-
-
Sie sollte eine dedizierte Weltbank-Einheit
für Fragen der Energieeffizienz und -Einsparung an der
Internationalen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung und
an der Internationalen Finanz-Corporation (IFC) einrichten,
der die Mittel, Kompetenzen und Vollmachten zur Verfügung
stehen, nachfragegetriebene Energieeffizienz- und -Einsparungsinvestitionen
von Weltbank-Kreditnehmern über viele Sektorengrenzen hinweg
zu fördern und durchzusetzen.
-
Sie sollte Auftragsvergabe-Normen bzw. -Maßstäbe
für Energieverbrauchsausrüstungen entwickeln, die
auch die Lebenszyklus-Gesamtenergiekosten berücksichtigen.
-
Sie sollte die Möglichkeiten einer nachhaltigen
Energieentwicklung in den Hilfe-Strategien sämtlicher
Länder überprüfen und in diesem Rahmen konkrete
Zielvorgaben für effizientere Energienutzung sowie für
die Entwicklung erneuerbarer Energiequellen aussprechen, soweit
dies angemessen ist.
-
Sie sollte Garantien geben, um privates Kapital
für Investitionen im Bereich effizienter und erneuerbarer
Energie zu mobilisieren.
-
Sie sollte sämtliche Dokumente und Aufträge
offenlegen, die im Zusammenhang mit Projekten in Nicht-Annex-1-Ländern
seit der Unterzeichnung der Klimakonvention 1992 stehen.
-
Sie sollte separat Buch führen über
ebendiese Projekte in Nicht-Annex-1-Ländern, entsprechend
der Treibhausgas-Buchführung, wie sie das IPCC für
nationale Treibhausgasemissionsbudgets vorschlägt.
-
Sie sollte mindestens 50 Prozent ihres Energiebudgets
-- oder die Gelder, die aus einer Kohlenstoffsteuer fließen
sollten -- zur Befriedigung des Energie- und Brennstoffbedarfs
der 2 Milliarden Ärmsten der Menschheit einsetzen.
Unter den fossilen Brennstoffen ist die Kohle der Billigste,
und damit trotz aller Warnungen aus Rio der Brennstoff der Wahl in vielen
Ländern des Südens. Der IPCC sagt voraus, daß der Kohleverbrauch
bis zum Jahr 2100 um über 700 Prozent steigen wird. Dabei wissen
wir, daß jede Tonne Kohle, die verbrannt wird, durchschnittlich
mehr als 2,5 Tonnen Kohlendioxid an Abgasen produziert, mehr Kohlenstoff
pro Energieeinheit als Erdöl oder Erdgas; und wir wissen auch,
daß der größte Teil der derzeit betriebenen Kohletechnologie
zwei Drittel der in ihr vorhandenen Energie verschwendet. Wir wissen,
daß bei der Kohleverbrennung Schwefeldioxid und Stickoxide entstehen,
die sauren Regen hervorrufen, der wiederum katastrophale Auswirkungen
auf Wälder, Flora und Fauna von Gewässern sowie auf Landwirtschaftserträge
hat. Und wir wissen, daß der Kohletagebau Gemeinden zerstört,
die umgesiedelt werden müssen, und daß er zahllose Gemeinden
empfindlich stört, die die mittelbaren Folgen des Abbaus und der
Verbrennung der Kohle erdulden müssen. Trotzdem wächst der
Kohleverbrauch weiterhin, weil diese Ineffizienzen und Nebenkosten beim
Kohlepreis nicht mitkalkuliert werden.
Von 1973 bis 1993 stieg der Kohleverbrauch weltweit um
36 Prozent, wobei er am stärksten in Südamerika (360 Prozent)
und Asien (162 Prozent) und am wenigsten in Europa (6 Prozent) stieg.
Derzeit verbrennt die Menschheit mehr als 3,5 Milliarden Tonnen Kohle
pro Jahr. Länder wie Indien, China und Brasilien, die über
umfangreiche eigene Kohlelager verfügen, werden voraussichtlich
besonders intensiv Kohle verbrennen.{24}
Allein China produziert pro Jahr 650 Mio. Tonnen Kohlenstoffemissionen
(ca. 27 Prozent des Weltausstoßes aufgrund von Kohleverbrennung)
-- und wird seinen Kohleverbrauch voraussichtlich bis zum Jahre 2010
verdoppeln. Bei einem Schattenpreis von US$ 20 pro Tonne Kohlenstoff
externalisiert China also derzeit mehr als US$ 13 Milliarden jährlich
allein durch Kohleverbrennung.{25} Studien
zum globalen Energieverbrauch sagen voraus, daß China und Indien
hauptsächlich aufgrund ihres hohen Kohleverbrauchs bis zum Jahre
2010 über 20 Prozent der Kohlendioxidemissionen des gesamten Südens
verursachen werden.
Fußnoten:
{24} State of the World
1997, "The Legacy of Rio," Christopher Flavin, S. 11, 1997:
Norton.
{25} Kohlenstoff wird in
der Literatur aufgrund theoretischer Überlegungen ein "Schattenpreis"
von zwischen US$ 5 und US$ 150 pro Tonne zugewiesen. Allerdings behaupten
einige Weltbank-Ökonomen, daß der Schattenpreis (also der
wahre Preis an der Umwelt durch Kohlenstoffemissionen, der derzeit externalisiert
wird) zwischen US$5 und US$40 liegen sollte, und wird in diesem Bericht
vorsichtig mit US$ 20 abgeschätzt.
Die Menschheit verkonsumiert derzeit an jedem Tag 65
Mio. Barrel Erdöl. Allein das von Automobilen verbrannte Benzin
erzeugt nahezu ein fünftel des globalen Kohlendioxidausstoßes;
zu den weitere giftigen Nebenprodukten des Verbrennungsrozesses gehören
Kohlenmonoxid und Stickoxide. Unsere Sucht nach Benzin ist proportional
zu der Sucht aller nach dem Automobil: in jeder Sekunde wird ein neues
Auto auf die Straße gesetzt.
Weitere Erdölprodukte wie Dieselöl, Heizöl,
Kerosin für Flugzeuge, Schiffstreibstoffe und Schweröle für
Ölkraftwerke verstärken den Treibhauseffekt noch und tragen
zu der Belastung mit Luftschadstoffen bei. Von 1973 bis 1993 erhöhte
sich der Weltverbrauch an Erdöl um 11 Prozent; für den Zeitraum
von 1995 bis 2015 wird erwartet, daß er um weitere 59 bis 68 Prozent
wachsen wird, wobei die USA die Meute anführen.
Der Erdgasverbrauch stieg unter dem fossiler Energieträger
in den Jahren zwischen 1973 und 1993 am stärksten, nämlich
um weltweit insgesamt 72 Prozent. Erdgas wird als vergleichsweise saubere
Energiequelle angesehen, weil bei seiner Verbrennung pro Energieeinheit
die geringste Menge an Kohlendioxid freigesetzt wird. Dabei wird übersehen,
daß unverbranntes Erdgas -- in seiner natürlichen Zusammensetzung
fast reines Methan -- ein vielfach stärkeres Treibhausgas ist als
Kohlendioxid. Erdgas strömt unverbrannt aus den vielen Lecks in
Erdgasförderanlagen und Pipelines, aber auch aus Kohleminen und
Ölfeldern. Diese Lecks können den positiven Effekt der relativ
geringeren Treibhausgasemissionen durch Erdgasverbrennung mehr als wettmachen.
Es wird erwartet, daß die Erdgasförderung
von 1995 bis 2015 um 50-58 Prozent steigt, wobei die Staaten der ehemaligen
Sowjetunion bei der Förderung und die USA beim Verbrauch von Erdgas
vorneweg sein werden.
- Annex-1-Länder
- Unterzeichner der Klimakonvention, zumeist aus dem Norden, die
sich den strengsten Auflagen für Treibhausgasemissionen unterwerfen
werden.
- BIP
- Bruttoinlandsprodukt
- FCCC
- "United Nations Framework Convention on Climate Change" (UNO-Rahmenkonvention
zu den Klimaveränderungen), die Klimakonvention.
- G7
- Die Gruppe der sieben reichsten Industrienationen: USA, Deutschland,
Japan, Italien, Frankreich, Großbritannien und Kanada.
- Gigatonne
- eine Milliarde Tonnen
- IBRD
- International Bank for Recontruction and Development (Internationale
Bank für Wiederaufbau und Entwicklung), auch Weltbank genannt.
Der Begriff "Weltbank" wird in diesem Bericht aber für die
gesamte Weltbank-Gruppe, zu der die IBRD gehört, verwendet.
- IDA
- International Development Association (Internationale Entwicklungsorganisation)
- IFC
- International Finance Corporation (Internationale Finanzkorporation)
- IMF
- International Monetary Fund (Internationaler Währungsfond)
- IPCC
- Intergovernmental Panel on Climate Change (Zwischenstaatliches
Gremium für Klimaveränderungen)
- Kohlendioxid
- CO2, das wichtigste Treibhausgas, dessen Molekulargewicht
das 3,67-fache des Atomgewichts von Kohlenstoff beträgt.
- Kohlenstoff
- wichtigstes Element in fossilen Brennstoffen; sein Atomgewicht
beträgt weniger als ein Drittel des Molekulargewichts von Kohlendioxid.
- MIGA
- Multilateral Investment Guarantee Agency (Multilaterale
Investitionsgarantie-Agentur)
- NGO
- non-governmental organisation (Nichtregierungsorganisation,
Nichtstaatliche Organisation)
- Nicht-Annex-1-Länder
- Unterzeichnerstaaten der Klimakonvention, die zu den Entwicklungsländern
gehören, und denen größerer Spielraum bei der Reduktion
ihrer Treibhausgasemissionen gelassen wird.
- der Norden
- Kurzbezeichnung für die wohlhabenderen industrialisierten
Länder Europas und Nordamerikas (inclusive der gesamten Gruppe
der Sieben (G7)), sowie für weitere Länder wie z.B. Australien,
das trotz seiner Lage südlich des Äquators wirtschaftlich
"dem Norden" zugeordnet wird.
- der Süden
- Kurzbezeichnung für die weniger industrialisierten Länder,
von denen viele (aber keinesfalls alle) südlich der reicheren
Länder "des Nordens" in Europa und Nordamerika liegen.
- UNO
- Die Vereinten Nationen
- Weltbank
- die Weltbankgruppe
- Weltgipfel, Weltklimagipfel
- Die UNO-Konvention zur Umwelt und zur Entwicklung, die 1992 in
Rio de Janeiro stattfand.
- 2. Weltklimagipfel
- Die 5-Jahresrückblick-Konferenz zum Weltklimagipfel, die
in der Woche vom 23. Juni 1997 in New York stattfindet.
- die Weltbank-Gruppe
- umfaßt IBRD, IDA, IFC und MIGA.
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